Sehr geehrter Nutzer,
wir haben unseren Auftritt für einen barrierefreien Zugang mit Techniken wie CSS geschaffen. Leider unterstützt Ihr Browser diese Webstandards nicht komplett oder die Verwendung von Stylesheets ist ausgeschaltet.

Zur Navigation - Metanavigation überspringen |
Zum Inhalt - Navigation überspringen


Zusatznavigation

Leibniz Universität Hannover - Startseite Projekt InnovAging - Startseite Kontakt Suche
Foto: Himmel
Aktionsbündnis zur Innovation durch betriebliches und regionales Demografie-Management
Startseite > Aktivitäten > Programmangebot > Vortragsreihe Hochschule

Öffentliche Vortragsreihe InnovAging
 

„Rolle der Hochschule in der Region - Wissenstransfer zum Demografie-Management“

Unter dem Titel „Rolle der Hochschule in der Region – Wissenstransfer zum Demografie-management“ führte InnovAging am 22. Juni 2010 eine öffentliche Veranstaltung im Sprengel Museum Hannover durch. Das Ziel der Veranstaltung war die Darstellung der Unterstützungs- bedarfe der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) zum Demografie-Management auf der einen Seite und der bestehenden Wissensangebote der regionalen Hochschulen auf der anderen Seite. Damit sollte zur Vertiefung des Dialoges zwischen Wissenschaft und Praxis beigetragen werden.


Magazinbeitrag der Nachrichtensendung 0511/tv.lokal (von Minute 0:41 bis 2:51)



A) Begrüßung / Einführung

Frau Prof. Dr. Gisela Charlotte Fischer, Projektleitung InnovAging, begrüßte die Referenten und Teilnehmer zu der Veranstaltung. Sie führte aus, dass der demografische Wandel in alle gesellschaftlichen Bereiche hineinwirkt, dadurch neue Fragestellungen aufwirft, zu deren Lösungen neues Wissen erforderlich ist. KMU müssen sich auf alternde Kundschaften und Belegschaften, Nachwuchs- und Fachkräftemangel einstellen. Gleichzeitig stellt die demografische Entwicklung eine große Chance zur Innovation für neue Märkte dar. Den Hochschulen kommt bei der Gestaltung des demografischen Wandels eine wichtige Rolle zu. So empfiehlt die Enquete-Kommission des Niedersächsischen Landtages, dass sie ihre Fort- und Weiterbildungsangebote ausbauen, mehr demografiebezogene Inhalte in Forschung und Lehre berücksichtigen und die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft verstärken. Die Herausforderung des demografischen Wandels kann nur durch die Bündelung der Kräfte in unserer Region bewältigt werden. Hier sind Politik, Wirtschaft, Bildungsträger und Zivilgesellschaft gefordert. Die heutige Veranstaltung betrachtet die bisherige und die Potenziale der künftigen Kooperation von Hochschule und Wirtschaft.

Bild: Carsten Mühlenmeier
Carsten Mühlenmeier


Bild: Prof. Dr. Herbert Breger
Prof. Dr. Herbert Breger


B) KMU-Wissensbedarf zum Demografie-Management

Prof. Dr. Peter v. Mitschke-Collande, Projektleiter InnovAging, präsentierte ausgewählte Ergebnisse der Expertenbefragung der Wirtschaft zum „KMU-Bedarf im Bereich des Demografie-Managements – Transfer-Erwartungen an die Hochschulen“. Sowohl in der Lehre und Weiterbildung, als auch in der Forschung und Beratung sollten sich Hochschulen um Transparenz und Ausrichtung zur KMU-Praxis bemühen.
Die Kurzfassung der Studie können Sie hier downloaden.

Dr. Heinrich Ganseforth, Vorstand des Fördervereins Pro Hannover Region, erläuterte in seinem Statement, warum die Wissensvermittlung aus Hochschulen an die KMU so schwierig ist. Die Unternehmer subsumieren die Probleme nicht unter den Begriff „Demografischer Wandel“, sondern gehen von den Einzelproblemen aus. Daher ist es für den Wissenstransfer wichtig, die abstrakte Ebene zu verlassen und bei den konkreten Herausforderungen anzusetzen. Die Unternehmer selbst suchen die Lösungen in der Regel nicht in wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Ihr geschäftlicher Erfolg beruht auf Erfahrung und Intuition. Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen daher so aufbereitet werden, dass sie sich unmittelbar mit dem Erfahrungswissen der Unternehmer verknüpfen lassen. Dem Projekt InnovAging gelingt es gut, die Komplexität des Wissenstransfers zwischen Hochschulen und KMU durch


alternative Formate zu ordnen. Entscheidend dabei ist, dass der Dialog auf „Augenhöhe“ organisiert wird, indem beispielsweise das Erfahrungswissen Ernst genommen wird und die Hochschule den Unternehmen Instrumente zur selbstständigen Umsetzung an die Hand gibt.

Jasmin Arbabian-Vogel, Geschäftsführerin der Interkulturellen Sozialdienst GmbH und Vorstandsmitglied im Verein deutscher Unternehmerinnen, erlebt in ihrem Unternehmen konkrete Auswirkungen der demografischen Entwicklung wie z. B. Probleme bei der Stellenbesetzung und eine zunehmende Verdichtung von Arbeit. Dennoch sieht sie auch die Chancen für ihren Betrieb und will diese nutzen. Die Zusammenarbeit mit den Hochschulen im Projekt InnovAging hat dazu beigetragen, dass sie sich ein Basis-Wissen im Handlungsfeld Gesundheitsmanagement aneignen konnte und Methoden kennen gelernt hat, die sie selbst im Unternehmen einsetzen kann. Darüber hinaus war der Austausch mit anderen Unternehmern hilfreich. Da die Unterstützung durch das Projekt sehr gewinnbringend war, möchte sie anregen, dass die Hochschulen, die Belange von KMU im Demografie-


Management noch stärker in den Blick nehmen. So sollten z. B. ein niedrigschwelliger Zugang zum Studium für Fach- und Führungskräfte aus KMU oder mehr branchenspezifische Weiterbildungsmöglichkeiten entwickelt werden. Zudem wünschen sich KMUs mehr Impulse für innovative Produkte aus den Hochschulen und eine zugehende Kultur der Beratung, d. h. dass die Hochschule mit ihren Projekten oder Beratungsangebote mehr in die Betriebe geht.


C) Transfer-Beispiele Hochschule / Wirtschaft

Bereits heute gibt es an den regionalen Hochschulen einzelne Institute bzw. Projekte, die mit hier ansässigen Unternehmen zu demografischen Fragestellungen innovativ kooperieren. Im Mittelteil der Veranstaltung wurden verschiedene Beispiele des Wissenstransfers in Lehre, Weiterbildung, Beratung und Forschung präsentiert.

Bild: Prof. Dr. Klaus-Peter Wiedmann
Prof. Dr. Klaus-Peter Wiedmann


Bild: Prof. Dr. Christoph Gutenbrunner
Prof. Dr. Christoph Gutenbrunner


Nach der Umsetzung zeigen sich eine kürzere Dauer der Rehabilitation und eine Erhöhung der Zahl der Rückkehrer an den Arbeitsplatz. Das bisher auf Großunternehmen ausgerichtete Konzept soll nun auf KMU zugeschnitten werden. Für diese Entwicklungsarbeit werden noch KMU gesucht, die über zwei Jahre mit dem Projekt Job-Reha kooperieren wollen.

Bild: Dr. Manfred W. Elff
Dr. Manfred W. Elff


Bild: Dr. Frank Wattendorff
Dr. Frank Wattendorff


Bild: Prof. Dr. Erwin Wagner
Prof. Dr. Erwin Wagner


die Potentiale der Region und mögliche Partnerschaften schaffen soll, eine Vielzahl von Einzelkooperationen von Instituten mit Betrieben. Dabei werden demografische Aspekte mitberücksichtigt. Die Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist ein entscheidendes Erfolgskriterium.

Bild: Prof. Dr. Rainer Przywara
Prof. Dr. Rainer Przywara


Bild: Johann Weiß
Johann Weiß




D) Runder Tisch: Regionale Demografie-Offensive

Aus Sicht der Region Hannover erläuterte Mattias Böhle, Leiter des Fachbereichs Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung, Entwicklungsperspektiven für KMU und Region. Im Vergleich zu anderen deutschen Kommunen stellt sich die Wirtschaftsförderung der Region Hannover bereits heute der zentralen Herausforderung des Fachkräftemangels. Untersuchungen zeigen, dass jede vierte offene Stelle nur noch mit Schwierigkeiten besetzt werden kann. Zwei Drittel der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass die Personalsuche zukünftig noch schwerer wird. Daher müssten Unternehmen auch andere Bewerbergruppen wie Migranten, Frauen oder ältere Bewerber stärker in den Blick nehmen. Den Link zur Studie können Sie unter der Seite www.unternehmerbuero-hannover.de herunterladen.


Durch die Einrichtung einer Koordinierungsstelle Berufliche Bildung will die Region Hannover einen Beitrag zur Verbesserung der Transparenz und Effektivität der beruflichen Bildung leisten. Im Anschluss an die Transferbeispiele erläuterten Vertreter der Kammern und Hochschulen ihre Position und Zukunftsstrategien zu einer engeren regionalen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis im Demografie-Management.

Jans-Paul Ernsting, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover, bezeichnete die Nachwuchsgewinnung als zentrales Problem der Handwerksbetriebe. Das Handwerk ist zum großen Teil durch Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern gekennzeichnet, die selbst keine eigene Personalabteilung haben. Daher will die Projekt- und Servicegesellschaft der Handwerkskammer Personaldienstleistungen für die KMU zur Verfügung stellen. Aus Sicht der HWK ist ein Studium in vielen Bereichen nicht notwendig, jedoch kommt der Weiterbildung mit aktuellem Wissen in modularer Formzukünftig eine größere Rolle zu. Die Hochschulen sollen die Kammern bei dieser Qualifizierung der Fachkräfte unterstützen.


Auch Heinz Orlob, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Hannover, stellte den Fachkräftemangel als Hauptherausforderung für die regionale Wirtschaft heraus. Immer weniger junge Menschen schlagen den Weg einer gewerblichen Ausbildung ein. Die neu geschaffenen Möglichkeiten der Offenen Hochschule sind daher aus Sicht der IHK positiv zu bewerten, da dadurch die duale Ausbildung wieder attraktiver wird. Die Hochschulen müssten diese Chancen nutzen und mehr berufsbegleitende Angebote sowie Konzepte zur Anrechnung beruflicher Leistungen im Studium entwickeln. Der Dialog zwischen Hochschulen und Kammern sollte verstärkt werden, um die Offene Hochschule mit Leben zu füllen.


Prof. Dr.-Ing. Erich Barke, Präsident der Leibniz Universität Hannover, betonte, dass die Offene Hochschule nicht dazu führen darf, dass das Studium in Frustration ende. Daher ist es wichtig, dass die Eignung zum Studium vor Studienaufnahme geprüft wird. Es besteht kein Mangel an Studienplätzen, sondern ein Mangel an geeigneten Bewerbern. Auf die konkreten Unterstützungswünsche der KMU-Vertreter der Veranstaltung antwortete Prof. Barke, dass eine branchenspezifische Weiterbildung für KMU durch die Hochschule nicht realisiert werden kann, da die Zahl der Branchen zu groß ist. Es ist nicht Aufgabe der Hochschule, Beratungen in den Unternehmen durchzuführen; allerdings bestehen genügend Zugänge in die Hochschule, sodass KMU mit ihre Fragen gemeinsam mit der Hochschule klären könnten. Eine vertiefende Zusammenarbeit mit KMU im Bereich der Forschung zu innovativen Produkten sollte angestrebt werden.


Prof. Dr. med. Christopher Baum, Forschungsdekan Medizinische Hochschule Hannover, führte aus, dass neben Erkenntnis- und Umsetzungsmangel der Zeitmangel die Kooperation zwischen Hochschule und KMU prägt. Der Dialog zwischen den beiden Seiten leidet darunter, dass sie sich – naturgemäß – auf ihre originären Aufgaben konzentrieren müssten. Es müssen Gelegenheiten und Räume geschaffen werden, damit dieser Dialog intensiviert werden kann. Um den Nachwuchsmangel entgegenzuwirken, ist ein Mentalitätswandel erforderlich. Der Ehrgeiz der jungen Menschen hierzulande lässt im Vergleich zu anderen Ländern entscheidend nach. Daher müsse der Hunger nach Wissen und Leistung wieder geweckt werden.


Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich, Präsident Stiftung Universität Hildesheim, verwies darauf, dass zwar lediglich 35 % einer Alterskohorte studieren und damit die geforderten 40 % nicht erreicht werden. Das eigentliche Problem ist aber, dass nur 25 % der Alterkohorte ihr Studium abschließen. Aufgabe muss sein, die Abbrecherquote zu senken. Eine wichtige Zielgruppe sind aus seiner Sicht die Menschen mit Migrationshintergrund. Schon heute haben 33 % der unter Fünfjährigen einen Migrationshintergrund. Die Bildungspolitik muss auf dieses Faktum reagieren und dafür sorgen, dass mehr Schüler mit Migrationshintergrund einen Schulabschluss erreichen und somit ausreichend qualifiziert sind, um eine Ausbildung oder ein Studium zu absolvieren.


Für Prof. Dr.-Ing. Werner Andres, Präsident Fachhochschule Hannover, ist mit der Offenen Hochschule eine wichtige Weichenstellung erfolgt. In der Fachhochschule bestehen bereits Konzepte, um die eventuell bestehende Qualifikationslücke bei Studienbewerber mit beruflichem Abschluss zu schließen. Prof. Andres hob hervor, dass mit einem dualen Studium es oftmals gelingt, die Hochqualifizierten an die Unternehmen und somit an die Region zu binden. Im Bereich der Forschung sind die KMU immer schon wichtige Partner der Fachhochschule. Es gibt, dass habe diese Veranstaltung gezeigt, viele gute Ansatzpunkte. Wichtig ist, den Dialog zwischen Hochschulen und KMU zu vertiefen. Beide Seiten müssen dazu aufeinander zugehen.



E) Zusammenfassung und Ausblick

Frau Prof. Dr. Gisela Charlotte Fischer, Projektleitung InnovAging, bedankte sich für die wichtigen Beiträge der Veranstaltung. Diese haben gezeigt, dass es eine ganze Reihe von Gesichtspunkten gibt, die sowohl für den Standort Region Hannover, als auch für die Hochschulen und die kleinen und mittelständischen Betriebe von hoher Relevanz sind. Konkret zu nennen sind z. B. die Installation von Anschlussmodulen zwischen Beruf und Studienaufnahme, die Verringerung der Studienabbruchquote, die Verbesserung der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund im Bildungsbereich, die Steigerung des Leistungshungers von jungen Menschen sowie der Ausbau der gemeinsamen Forschungsarbeiten von KMU und Hochschulen. Sie sieht, dass mit dieser Veranstaltung ein wichtiger Beitrag zu einer „Regionalen Demografie-Offensive“ gelungen sei.




Zusatzinformationen


Fußzeile