Öffentliche Vortragsreihe InnovAging
Vortrag Martin Kind
Innovation durch Demografie-Management – Mitarbeiter und Kunden neu im Blick
Am 27. Oktober 2009 folgten rund 140 Gäste aus kleinen und mittleren Unternehmen, Kammern und Hochschulen der InnovAging Einladung zur Veranstaltung „Innovation durch Demografie-Management – Mitarbeiter und Kunden neu im Blick“ im Sprengel-Museum.
In einem Impulsvortrag verdeutlichte Herr Martin Kind, Geschäftsführer der Fa. KIND Hörgeräte GmbH & Co. KG, die unternehmerischen Herausforderungen des demografischen Wandels und stellte die konkreten Herangehensweisen der Fa. KIND vor. Da in Zukunft immer weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten, müssen schon jetzt die richtigen Weichen gestellt werden. Denn der Arbeitsmarkt birgt heute noch die Chance, mehr junge Menschen durch Ausbildung für den Beruf zu qualifizieren. „Wir müssen eine aktive Personalpolitik entwickeln!“ Darüber hinaus müssen Maßnahmen eingesetzt werden, um die Mitarbeiter langfristig zu binden. Aufgrund der immer kürzeren Innovationszyklen müsse Zeit für regelmäßige Fortbildungen von Mitarbeitern eingeplant werden. Erfahrenen Mitarbeitern sollten beim Renteneintritt Perspektiven für eine weitere Mitwirkung im Unternehmen aufgezeigt werden. Herr Kind plädierte für eine größere Bereitschaft der Unternehmer, Veränderungen selbst zu gestalten und dabei die Mitarbeiter aller Generationen mitzunehmen.

Martin Kind
Weiterhin richtete Herr Kind seinen Blick auf die Kunden und die enormen Chancen, die vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung im Bezug auf Absatzmärkte bestehen. Im Mittelpunkt müssen die Bedürfnisse des Kunden stehen, ihm müsse es ermöglicht werden, „stressfrei“ Innovationen zu nutzen. Die steigende Lebenserwartung führe dazu, dass die 60-Jährigen von heute noch viel Lebenszeit vor sich haben. Sie verfügen gegenwärtig über eine große Kaufkraft und sind sehr mobil. Unternehmen müssen die Gruppe der Älteren besser fokussieren. Die Produktentwicklung bei KIND orientiere sich an den neuen generationengerechten Leistungsmerkmalen, indem die neue Technologie und das Design auf das Konsum- und Freizeitverhalten der verschiedenen Zielgruppe abgestimmt sind.
Die von Herrn Kind angesprochenen Handlungsfelder und beispielhaften Maßnahmen des Demografie-Managements wurden von Experten durch Kurzbeiträge vertieft. Prof. Michael Müller-Camen von der Middlesex University Business School in London betonte, dass es zahlreiche gute wissenschaftliche Konzepte und praktische Lösungen für eine demografiefeste Personalpolitik gäbe, die auch auf kleine und mittelständische Betriebe übertragbar seien. Mögliche Handlungsfelder seien die Erhaltung der Beschäftigungsfähigkeit (z. B. Alters- und alternsgerechte Arbeitsgestaltung und Arbeitsorganisation), die Implementierung eines aktiven Erfahrungs- und Wissenstransfer sowie die Gestaltung einer Work-Life Balance (altersgerechte Arbeitszeitflexibilität).

Prof. M. Müller-Camen, Dr. U. Gerecke, P. v. Mitschke-Collande, Dr. U. Lohse, R. Wahl, M. Kind
Frau Dr. Ute Lohse vom Kompetenzzentrum Versicherungswissenschaften an der Leibniz Universität Hannover erläuterte wie Kunden langfristig gebunden werden können. Unternehmen sollten nicht ihr eigentliches Produkt, sondern das Bedürfnis in den Vordergrund stellen, das mit dem Produkt befriedigt wird (z. B. „besser Hören“ statt das Hörgerät fokussieren). Verbunden mit einer hohen Servicequalität würden so langfristige Zufriedenheit und Loyalität entstehen. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung sei es für eine erfolgreiche Marktpositionierung daher umso wichtiger, die Bedürfnisse der verschiedenen Altersgruppen zu erfassen, um Produkte, Marketing und Vertrieb dementsprechend differenziert anzupassen. Weiterhin ermöglichen Instrumente wie Kundenbefragung und Beschwerdemanagement es, den „Kunden als besten Berater“ zu beteiligen.
Der entscheidende Faktor, der die Gesundheit und das Engagement der Mitarbeiter bestimme, so Dr. Uwe Gerecke vom Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e.V., sei die Unternehmenskultur. Während Maßnahmen der individuellen Gesundheitsförderung (Rückenschule usw.) die Gesundheit nur graduell erhöhen, führen Verbesserungen des Führungsverhaltens kombiniert mit individuellen Maßnahmen zu einem deutlichen Anstieg. Ein gutes Betriebsklima, das dem Einzelne eigene Handlungsmöglichkeiten zugestehe, motiviere die Mitarbeiter und führe zum wirtschaftlichen Erfolg. Dies wird durch ein „betriebliches Gesundheitsmanagement“ gefördert.
Rainer Wahl, Vorstandsmitglied der Pro Hannover Region e. V., machte deutlich, dass kleine und mittelständische Unternehmen bereits heute erste Auswirkungen der demografischen Entwicklung spüren, z. B. bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen. In der Region gäbe es zahlreiche, sehr heterogene Einzelinitiativen, aber zurzeit fehle eine Anlaufstelle, die die Unternehmen bei der Bewältigung der demografischen Herausforderung umfassend unterstützen könne. Er sehe in der Plattform von InnovAging einen zukunftsweisenden Ansatz solche Aktivitäten zu bündeln.

Im Anschluss hatten die Gäste die Gelegenheit bei einem Imbiss mit den Experten ins Gespräch zu kommen und sich über das Gehörte auszutauschen.
Die nächste Veranstaltung der öffentlichen Vortragsreihe findet am 17.11.2009 in der Hochschule für Musik und Theater statt.