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Foto: Himmel
Aktionsbündnis zur Innovation durch betriebliches und regionales Demografie-Management
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Öffentliche Vortragsreihe InnovAging
Expertengespräch zum Demografischen Wettbewerb und Klavierkonzert

„Kultur trifft Wirtschaft – Gemeinsam im Demografischen Wettbewerb der Regionen?“

Zum Jahresausklang hat InnovAging am 09. Dezember 2010 eine besondere Veranstaltung unter dem Motto „Kultur trifft Wirtschaft“ neu aufgelegt. Trotz des Wintereinbruchs kamen 86 Gäste aus kleinen und mittleren Unternehmen, Kammern und Hochschulen in die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH).


In Verbindung mit einem Klavierkonzert erlebten sie eine Expertendiskussion zum Thema Standortfaktor Kultur. Hier wurde die Frage diskutiert, wie angesichts des Demografischen Wandels die Attraktivität der Region für Studierende und Fachkräfte gesteigert werden kann.

Bild: Prof. Beate Schneider


Einführend erläuterte Frau Prof. Gisela Fischer, Projektleitung InnovAging, dass Kultur – mit der ihr zugeschriebenen Kreativität – als treibende Kraft wirtschaftlichen Wohlstand, Wissen und sozialen Zusammenhalt fördert. Das Zusammenwirken von Wirtschaft und Kultur kann folglich zu einem Gewinn für den Standort führen. Angesichts der demografischen Entwicklung und insbesondere des drohenden Fachkräftemangels wird es daher entscheidend sein, inwieweit Kultur in der Region zur Steigerung von Arbeitsplätzen, Image und touristischen Attraktionen beiträgt. Dazu bedarf es einer Bewegung aus der Region bzw. aus der Bevölkerung heraus, die hier gewachsene Kreativitäts- und Wissensbestände mobilisiert und zur Grundlage der regionalen Identität werden lässt. Es liegt damit auch im Interesse der


Wirtschaft, Verbindungen zur Kultur zu suchen. Kultur kann zu einem regionalen Promoter werden, da sie anderen Gesetzen folgt als der utilitaristischen Orientierung der Wirtschaft. Sie bricht mit Konventionen, zerstört einerseits gewohnte Sichtweisen und Denkformen, zeigt andererseits aber neue Gesellschaftsentwürfe und Visionen auf. Kultur bewegt und verändert die Menschen und dadurch auch die Region.

Bild: Roger Cericius


Als Gründer und langjähriger Betreiber des renommierten Kleinunternehmen „Kanapee – Klassische Tee-, Wein- und Konzertstube“ in Hannover berichtete Herr Erwin Schütterle, heute Geschäftsführer des Freundeskreis Hannover e.V., von den Herausforderungen eines Kulturbetriebes. Ausgehend von seiner Definition, nach der Kultur „das Konzentrat menschlichen Strebens nach Harmonie, Schönheit und Erkenntnis - unabhängig von materiellen Interessen“ ist und damit ein Gegenwicht zum rein materiellen Streben bildet, ist Kultur und Kommerz nur vereinbar, wenn beide Bereiche ausbalanciert sind. Da die Unternehmensphilosophie des Kanapees hauptsächlich die kulturelle Ausrichtung betont, konnte das Kleinunternehmen finanziell nur durch das Engagement eines gemeinnützigen


Vereins überleben. Die finanzielle Beteiligung von ca. 600 Bürgern ermöglichte in 28 Jahren 3.625 Konzerte. Zahlreiche Künstler erhielten so Auftrittsmöglichkeiten und Einnahmen. Herr Schütterle betonte, dass jeder Unternehmer auch eine gesellschaftspolitische Verantwortung trage, die ihn verpflichtet – über Zwangsmaßnahmen wie die Steuer oder die Einhaltung von Tarifverträgen hinaus – sich für den Standort, die Mitarbeiter und das Betriebsklima zu engagieren. Hierbei spielt Kultur eine große Rolle.

Anschließend diskutierten die Referenten unter der Moderation von Prof. Peter von Mitschke-Collande darüber, wie die Attraktivität des Standortes gesteigert werden kann und welchen Beitrag Hochschulen, Wirtschaft und insbesondere die Kulturbranche wechselseitig dazu leisten können. Die Experten waren sich darin einig, dass der Standort Hannover Vielfältiges zu bieten hat. Allerdings wird dieses noch nicht ausreichend kommuniziert. Insgesamt fehlt den Hannoveranern ein gewisses Maß an Selbstvertrauen, da der Ruf der Stadt und der Region – so zeigen Umfragen – bundesweit deutlich besser ist, als man selbst vermutet.


Frau Prof. Beate Schneider erläuterte, dass der demografische Wandel die Position des Nachwuchses stärke, da sich junge Menschen künftig mehr als heute ihren Arbeitgeber nach eigenen Kriterien selbst aussuchen können. Bei Studierenden lässt sich beobachten, dass sie bei der Wahl des Studienortes häufig Hochschulen präferieren, die in der Nähe des Heimatortes liegen. So stammen dreiviertel aller Studierenden an niedersächsischen Hochschulen aus Niedersachsen. Im Gegensatz dazu ist für die künstlerische Ausbildung nach wie vor der Ruf des Hochschullehrers der entscheidende Faktor der Studienortwahl. Daher ist der Anteil von über 30 % ausländischen Studierenden an der HMTMH sehr hoch. Auch wenn viele der Studierenden nach dem Studium die Stadt häufig wieder verlassen, tragen sie dazu bei, Hannover als Kulturstandort bekannt zu machen.

Aus der Sicht von Herrn Roger Cericius muss ein Unternehmen in Zukunft mehr Verantwortung für den sozialen Raum, in dem es sich bewegt, übernehmen. Dazu gehört auch die aktive Mitgestaltung des Standortes. Um attraktiv für Fachkräfte zu sein, reicht es nicht aus, lediglich betriebsinterne Aspekte zu gestalten, sondern das Unternehmen muss auch einen attraktiven Wohn- und Lebensraum bieten können. Nur so können Fach- und Führungskräfte angelockt und gehalten werden.

Herr Erwin Schütterle führte aus, dass ein Kulturstandort nicht nur die großen Institutionen und Veranstaltungen wie z. B. die Oper braucht, sondern auch Orte der „kleinen Kultur“. Künstler brauchen Gelegenheiten aufzutreten bzw. auszustellen und mit Publikum zu kommunizieren. Nur so wird „große“ Kultur überhaupt erst für die Region wirksam.

An das Motto der Veranstaltung „Kultur trifft Wirtschaft“ anknüpfend, beleuchtete Herr Roger Cericius die Idee, Projekte zu initiieren, in denen beide Bereiche gleichberechtigt zusammenarbeiten. In Dresden sind beispielsweise durch Initiative des damaligen Operndirektors Hans-Joachim Frey neuartige Kooperationen entstanden. Wirtschaftsunter-nehmen haben Mitglieder der Tanzcompany, von Orchestern oder Solomusiker auf Dienst-reisen ins Ausland mitgenommen und haben den Geschäftspartnern auf diese Weise deutsche Kultur präsentieren können. Dies wäre ein Ansatz, der auch durch den Freundeskreis Hannover e.V. vorangetrieben werden könnte. Der Verein engagiert sich seit über 20 Jahren als überparteiliches Forum für die kulturelle Vielfalt der Stadt Hannover und fördert den Dialog zwischen Bürgern, Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur.

Frau Prof. Beate Schneider bestätigte, dass Kultur und Wirtschaft insbesondere in Deutschland zu stark als getrennte Bereiche betrachtet werden. Da Kultur hierzulande traditionellerweise stark staatlich subventioniert wird, brauchte es – anders als in den USA – bislang auch kaum Austausch zwischen den Systemen. Wenn der Faktor Kreativität im Zuge der demografischen Entwicklung immer wichtiger werden wird, dann ist dies eine ideale Basis für eine Wechselwirkung. Dazu müssten Formate erarbeitet werden, die mehr Austausch ermöglichen.

Abschließend betonte Frau Prof. Gisela Fischer die Wichtigkeit des bürgerschaftlichen Engagements für die Standortentwicklung. Ein wesentliches Kriterium ist der Prozess der gemeinsame Arbeit, in dem alle Mitwirkenden auf gleicher Augenhöhe arbeiten. Angeregt durch die heutige Veranstaltung sagte sie zu, im nächsten Jahr gemeinsam mit der HMTMH eine weitere Veranstaltung unter dem Motto „Kultur trifft Wirtschaft“ zu organisieren. Dabei könnten Kulturschaffende und KMU auf innovative Art eingebunden und so eine neue Form der Zusammenarbeit entwickelt werden. Frau Prof. Fischer forderte Unternehmer auf, die sich für ein solches Projekt interessieren, sich bei InnovAging zu melden.

In der Pause hatten die Gäste die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Der zweite Teil der Veranstaltung war dem Solokonzert der Pianistin Sarah Soyeon Kim gewidmet. Nach Studienaufenthalten in London und Paris besucht die koreanische Studentin derzeit die Soloklasse von Prof. Bernd Goetzke an der HMTMH. In ihrem Konzert präsentierte sie u.a. Stücke von Johann Sebastian Bach, Joseph Haydn, Frédéric Chopin und Franz Liszt.





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