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Öffentliche Vortragsreihe InnovAging Leitvortrag Werner M. Bahlsen
“Regionale Demografie-Offensive für den Mittelstand - Meilenstein-Veranstaltung"
Am 9. November 2010 fand in der MultiMedia Berufsbildende Schule ein weiterer Teil der öffentlichen Vortragsreihe von InnovAging statt. Diese Veranstaltung markierte zum Ende der ersten Projektphase einen wichtigen Meilenstein und stellte zentrale Ergebnisse der Projektinitiative vor. Herr Jürgen Gemen, Wirtschaftsjournalist des NDRs, führte durch den Abend. Die Band „Lucie in the sky“ gestaltete das musikalische Rahmenprogramm.
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Begrüßung und Einführung
Am 9. November 2010 fand in der MultiMedia Berufsbildende Schule ein weiterer Teil der öffentlichen Vortragsreihe von InnovAging statt. Diese Veranstaltung markierte zum Ende der ersten Projektphase einen wichtigen Meilenstein und stellte zentrale Ergebnisse der Projektinitiative vor. Herr Jürgen Gemen, Wirtschaftsjournalist des NDRs, führte durch den Abend. Die Band „Lucie in the sky“ gestaltete das musikalische Rahmenprogramm.
Mit dieser Veranstaltung sollten, so Frau Prof. Dr. Gisela C. Fischer, Projektleitung von InnovAging, in ihrer Begrüßung, insbesondere „Projektpartner und KMU-Vertreter authentisch zu Worte kommen“.
Prof. Dr. Peter von Mitschke-Collande, Projektleitung von InnovAging, unterstrich die Bedeutung des demografischen Wandels für die kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) und die Region Hannover. Der zukünftige Fachkräftemangel wird nur zu lösen sein, wenn es uns gelingt, die Gruppen der Jüngeren, der Älteren, der Frauen und der Menschen mit Migrationshintergrund besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Die Verbundpartner von InnovAging wollen für diese Herausforderungen Antworten für die Region Hannover entwickeln. Dazu soll der Wissens- und Erfahrungstransfer zwischen Bildungsträgern und KMU in der Region verstetigt werden. In dem EFRE-geförderten Projekt haben sich 17 regionale Akteure aus Wirtschaft, Forschung und Bildung sowie Politik zusammengeschlossen. Frau Prof. Dr. Gisela C. Fischer betonte, dass auch die Partner von der Initiative profitieren; denn das Thema „Demografie“ wird in den einzelnen Organisationen bewusst bearbeitet und somit wird ein interner Entwicklungsprozess angeregt. Das Projekt hat inzwischen ein Curriculum zu Handlungsfeldern des betrieblichen und regionalen Demografie-Managements erarbeitet. In verschiedenen Veranstaltungsformaten wird das Wissen transfe-riert. Dazu gehören z. B. die öffentliche Vortragsreihe – zu der die heutige Veranstaltung zählt –, betrieblichen Workshops der KMU-Sequenzen oder Module in den Kammer- und Verbandsprogrammen.
Beiträge der Kooperationspartner von InnovAging
In Vertretung aller Kooperationspartner wurden Dr. Thomas Rebe (MHH, Abteilung Arbeits-medizin), Nicole Pfrimmer (Industrie- und Handelskammer Hannover), Erika Badenhop (Fachhochschule Hannover, Zentrum für Weiterbildung und Technologietransfer) und Bettina Dombrowski (Wirtschaftsklub Langenhagen) vom Moderator Jürgen Gemen zu ihren Erfahrungen im Projekt InnovAging befragt.
Herr Dr. Thomas Rebe bringt seine Kompetenzen als Mediziner insbesondere in die Ent-wicklung des Handlungsfeldes „Gesundheitsmanagement“, eines von sechs Handlungs-felder des betrieblichen Demografie-Managements, ein. „Wie können wir unsere Gesundheit und unsere Arbeitsfähigkeit lebenslang erhalten?“ ist aus seiner Sicht eine der zentralen Fragen. Die Unternehmen müssen genauso für das Thema Gesundheit sensibilisiert werden, wie jeder einzelne Arbeitnehmer. Der Kontakt zu den Unternehmen und der daraus ableitbare konkrete Bedarf in den Unternehmen sind für die Arbeitsmedizin der MHH entscheidend, um bei dem Projekt mitzuwirken.
Aus Sicht der IHK, so führte Frau Nicole Pfrimmer aus, sei es wichtig, dass insbesondere die KMU durch das Projekt Empfehlungen erhalten, wie sie mit der Herausforderung des demografischen Wandels umgehen können. Dazu sind neben „Gesundheitsmanagement“ auch die anderen Handlungsfelder des betrieblichen Demografie-Managements relevant. Die KMU haben nur wenig personelle Kapazitäten und Zeit für eine strategische Planung. Gleichzeitig steigt aber der Druck sich mit Maßnahmen wie Nachwuchsgewinnung, Arbeitszeit-modelle und dergleichen auseinanderzusetzen, um für den Wettbewerb um Fachkräfte gewappnet zu sein. Viele KMU müssen für die Problematik erst einmal sensibilisiert werden. Durch InnovAging und seine verschiedenen Veranstaltungen sei dies bisher gut gelungen.
Frau Erika Badenhop verdeutlichte, dass die Aufgabe der Fachhochschule darin besteht, die Ergebnisse der Forschungsarbeiten zu demografische Fragestellungen (wie z. B. die zukünftigen Anforderungen an Mode oder Innenarchitektur) in das Projekt einzuspeisen. Am Konzept von InnovAging schätzt sie den Austausch zwischen den KMU und den Hochschulen. Einerseits erfahren die Hochschulen auf diesem Weg viel über die Bedarfe der Praxis, andererseits zeigen die Hochschulen, wie sie diesen Bedarf z. B. im Studium oder in der Weiterbildung aufnehmen und was sie im Bezug auf Demografie-Management leisten können. Frau Badenhop wies auf die zunehmende Bedeutung der berufsbegleitenden Weiterbildung hin. Dazu bedarf es aus ihrer Sicht einen gesellschaftlichen Umdenkungsprozess und neue Institutionen der Bildungsträger, die berufsbegleitendes Lernen und Wissenserwerb unter-stützen und Mut machen, auch mit 50 Jahren noch neue berufliche Wege auszuprobieren. Dadurch kann die Qualifikation des Einzelnen länger erhalten bleiben.
Frau Bettina Dombrowski erläuterte, dass KMU einen großen Bedarf an Erfahrungsaustausch mit anderen haben. Daraus begründet sich der Erfolg des Wirtschaftsklubs Langenhagen. Mit dem Engagement bei InnovAging ist es gelungen, das Thema Demografischer Wandel in den Fokus der Unternehmen zu rücken. Denn obgleich das Tagesgeschäft in den KMU dominiert, sind erste Auswirkungen des demografischen Wandels in den Betrieben z. B. bei der Personalakquise spürbar, sodass KMU immer mehr aktiv nach Lösungen suchen. KMU benötigen aber andere Maßnahmen als Großbetriebe. Daher ist es so wichtig, dass InnovAging sie in den Blick nimmt.
Alle vier Kooperationspartner betonen, dass durch InnovAging die Vernetzung von wichtigen Akteuren in der Region Hannover zum Demografischen Wandel gelungen ist. Durch den Erfahrungsaustausch zwischen den Projektpartnern werden viele Synergien geschaffen und das Thema weiter vorangebracht. Der Kontakt zu den KMU regt die Partner an, die Interessen und Bedarfe der Betriebe differenziert zu erfassen. Die Arbeit bei InnovAging führt in den beteiligten Organisationen dazu, sich selbst intensiv mit demografischen Fragestellungen auseinanderzusetzen und dabei auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu berücksichtigen.
Erfahrungen der teilnehmenden KMU
Verschiedene kleine und mittelständische Unternehmen aus der Region Hannover haben bei InnovAging Workshop-Sequenzen zum Demografie-Management besucht. In einer Gruppe von etwa fünf Unternehmen, die branchenspezifisch zusammengesetzt war, haben sie unterschiedliche Fragestellungen bearbeitet und Maßnahmen für ihr eigenes Unternehmen entwickelt. Bisher nahmen Unternehmen aus den Branchen Mobilitätswirtschaft/Logistik, Gesundheitswirtschaft sowie Kultur- und Kreativwirtschaft teil. Stellvertretend für Teilnehmer berichteten Michael Frenzel (Leine Taxen GbR), Markus Böhm (Böhm Güterverkehrs GmbH), Jasmin Arbabian-Vogel (Interkultureller Sozialdienst GmbH) und Markus Kriegel (gGiB mbH) im Interview mit Jürgen Gemen von ihren Erkenntnissen.
In der Workshopreihe von InnovAging hat sich die Gruppe der Gesundheitswirtschaft mit dem Handlungsfeld „Gesundheitsmanagement“ beschäftigt. Aus Sicht von Frau Jasmin Arbabian-Vogel ist der demografische Wandel schon längst in den Unternehmen angekommen. Insbesondere im Pflegebereich lässt sich die Demografie einerseits an der zunehmenden Zahl der Kunden ablesen, andererseits aber auch an den älter werdenden Belegschaften und den wachsenden Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Fachkräften. Die Gruppe hat verschiedene Instrumente kennengelernt, um Arbeitsplätze hinsichtlich der Gesundheitsrisiken zu bewerten und Maßnahmen zu entwickeln. Ein wesentliches Element dieser Workshops war der Erfahrungsaustausch zwischen den Unternehmen, das auch dadurch unterstützt wurde, dass die Workshops in den Betrieben stattfanden: Zu jedem Termin wurde ein anderes Unternehmen besucht, der Gastgeber führte durch den Betrieb und berichtete von den besonderen Herausforderungen.
Für die gGiB mbH, die rund 380 Menschen mit Behinderungen verschiedener Altersstufen betreut, bedeutet die Alterung der Kunden und der Belegschaft ebenfalls eine besondere Herausforderung. Herr Markus Kriegel, Geschäftsführer, gehörte gemeinsam mit Frau Arbabian-Vogel der Gruppe „Gesundheitswirtschaft“ an. Für ihn bildete die Frage „Wie können wir in 10 oder 15 Jahren den Job, den wir heute leisten, noch erfüllen?“ den Ausgangspunkt zu Teilnahme bei InnovAging. Von Anfang an war zudem die Mitarbeitervertretung beteiligt. So konnten die erlernten Analyse-Instrumente von den Mitarbeitern in ihrem Beschäftigungs-bereich erprobt werden. Dabei stellte sich beispielsweise der von den Menschen verursachte Lärm eine starke Beanspruchung im Berufsalltag heraus. In den InnovAging-Workshops wurde überlegt, welche Maßnahmen geeignet sind, um diese Belastung zu verringern. Die Teilnahme am Projekt stellte für die gGiB mbH einen wichtigen Einstieg für den Aufbau eines betrieblichen Gesundheitsmanagements dar.
Die Gruppe der „Mobilitätswirtschaft/Logistik“ befasste sich mit dem Handlungsfeld „Personalentwicklung“ und legte den Schwerpunkt insbesondere auf die Themen „Kommunikation“ und „Führung“. Als eines der wesentlichen Analyse-Instrumente des Demografie-Managements hob Herr Markus Böhm die Altersstrukturanalyse heraus. Mit dieser konnte er feststellen, dass sein Unternehmen „überaltet“ ist, weil der Nachwuchs fehlt. Diese Tatsache schwarz auf weiß zu sehen, war für das Herrn Böhm entscheidend, um weitere Analysen durchzuführen und Maßnahmen im Bereich der Personalentwicklung umzusetzen. Die Altersstrukturanalyse wird inzwischen in seinem Unternehmen regelmäßig angefertigt. Für die Umsetzung des bei InnovAging Erlernten ist es aus seiner Sicht wesentlich, dass die Führungskräfte des Unternehmens an den Workshops teilnehmen und zudem Multiplikatoren eingebunden werden, also Mitarbeiter, die Schlüsselpositionen innehaben und so im Alltag den anderen Mitarbeitern Veränderungen näher bringen können.
Herr Michael Frenzel führte aus, dass viele demografische Entwicklungen in Taxiunternehmen deutlich zu tage treten: Das Durchschnittsalter der Fahrer ist hoch und viele Fahrer haben einen Migrationshintergrund. Zugleich erfordert auch der demografische Strukturwandel bei den Kunden eine Weiterentwicklung der „Dienstleistungen“. Durch das Projekt InnovAging ist ihm klar geworden, dass die Demografie eine entscheidende strategische Frage für KMU ist, die nicht nur Risiken, sondern auch viele Chancen bietet. Da die Umsetzung aber schwer ist, ist die Sensibilisierung sehr wichtig. Er versteht sich daher als Multiplikator für die Taxibranche und bringt seine Erkenntnisse in den Gesamtverband Verkehrsbetriebe Niedersachsen e.V. ein.
Demografische Herausforderungen an KMU und Region – Leitvortrag von Werner M. Bahlsen
Herr Werner M. Bahlsen nahm aus Sicht seiner Funktionen als Vorsitzender der Geschäfts-führung Bahlsen GmbH & Co. KG und als Präsident der Unternehmerverbände Nieder-sachsen e.V. Stellung zum Demografischen Wandel. Er betonte, dass die demografische Entwicklung eine neue Herausforderung für die Gesellschaft darstellt. Aus seiner Sicht ist daher Kreativität notwendig, um neue Wege zu gehen und ausgetretene Pfade zu verlassen. Dies gilt gerade auch für Unternehmen. Der demografische Wandel bedroht den gesell-schaftlichen Wohlstand in Deutschland, da in Zukunft weniger Personen dem Arbeitsmarkt zu Verfügung stehen. Bereits heute ist in vielen Unternehmen eine Alterung der Belegschaft deutlich erkennbar. Diese Situation wird sich weiter verschärfen. Die Arbeitswelt von morgen braucht, um den Wohlstand zu sichern, alle Generationen und darf sich nicht – wie bisher – vor allem auf die Jungen konzentrieren. Die Personalpolitik muss sich heute schon auf diese Entwicklung einstellen und die richtigen Weichen stellen.
Lebenslanges Lernen wird immer wichtiger. Weiterbildungsangebote müssen auch für ältere Mitarbeiter geöffnet werden. Darüber hinaus gilt es, altersgerechte Arbeitsplätze für diejenigen Mitarbeiter zu finden, die schwere Arbeitsbelastungen mit 55 Jahren oder älter nicht mehr körperlich bewältigen können, wie z. B. Dachdecker oder Bäcker. Diese Mitarbeiter besitzen wertvolles Erfahrungswissen, dass die Unternehmen nutzen sollten, indem sie mehr in die Planung und Organisation der Arbeit eingebunden werden. Wichtig ist dabei, so Herr Bahlsen, dass Mitarbeiter bei solchen Entscheidungen eingebunden werden, damit sie sich nicht abgeschoben fühlen. Demografie-Management braucht eine neue Unternehmenskultur, die diese Herausforderungen aktiv aufgreift und die Mitarbeiter motiviert.
Die Unternehmen sind zudem von der Alterung der Kundschaft betroffen. Die Produktentwicklung muss sich auf diese Veränderung ebenso einstellen wie etwa die Marketingabteilung. Hier geht es z. B. um Produktgestaltung oder um kleinere Packungen, die einfach zu öffnen sind.
Die Bahlsen GmbH & Co. KG hat im Jahr 2006 erstmals eine Altersstrukturanalyse durchgeführt. Diese ist inzwischen ein zentrales Planungsinstrument. Einmal im Jahr findet ein unternehmensweiter Personalplanungsprozess zum Thema Demografie statt, der feststellt, welche Mitarbeiter in den kommenden Monaten z. B. aus Altersgründen ausscheiden und welchen Bedarf es an neu zu besetzenden Stellen gibt. In allen Werken wurde ein betriebliches Gesundheitsmanagement eingeführt. Gemeinsam mit dem Betriebsrat, dem Betriebsarzt und z. T. der Krankenkasse werden Gesundheitstage organisiert, um die Mitarbeiter für Gesundheit zu sensibilisieren und für gesundheitsbewusstes Verhalten zu motivieren.
Im Wettbewerb um qualifizierte Kräfte müssen sich die Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Dies war Anlass für das Projekt „Employer Branding“. Während die Produktlinien „Leibniz“ und „Bahlsen“ einen hohen Bekanntheitsgrad haben, ist über das Unternehmen Bahlsen nur wenig bekannt. Aus einer internen Umfrage bei Führungskräften wurden Aussagen zusammengetragen, die den Arbeitgeber Bahlsen beschreiben, wie z. B. das offene, familiäre Betriebsklima oder die Freiräume, Entwicklungsmöglichkeiten und attraktiven Arbeitgeberleistungen. Daraus wurden zahlreiche Maßnahmen abgeleitet, um den Arbeitgeber Bahlsen zu positionieren. Dazu zählen u. a. eine Verbesserung der internen und externen Kommunikation (Flyer, Internetauftritt), Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Führungskultur (Einführung von 360° Feedback) oder zum Work-Life-Balance (Ausbau der Teilzeit-Modelle).
Als Präsident der Unternehmerverbände in Niedersachsen e.V. (UVN) betonte Herr Bahlsen, dass die UVN immer wieder versuchen, Politik und Gesellschaft auf Herausforderungen aufmerksam zu machen. Das Thema Demografischer Wandel steht daher bereits seit längerer Zeit auf der Agenda und die UVN haben sich unter diesem Blickwinkel auch in verschiedenen Initiativen engagiert. Hier sind zu nennen die Qualifizierungsoffensive Niedersachsen, die Pakte für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs 2010 - 2013 und die Charta der Vielfalt. Mit diversen Projekten soll die Förderung des Nachwuchses verbessert werden, z. B. die „Lange Nacht der Industrie“ oder die „Partners in Leader-ship“, also Tandems aus Schulleitern und Unternehmen.
Zum Abschluss seiner Rede äußerte Herr Bahlsen seine Erwartungen an die Politik. Diese ist aufgefordert, für flexiblere Arbeitsmärkte und eine arbeitsteilige Gesellschaftsstruktur zu sorgen, die allen Gruppen (jung – alt, Männer – Frauen) eine Chance auf dem Arbeitsmarkt gibt. Sie sollte die Demografie als festen Bestandteil in die Politik integrieren und arbeits-politische Modelle entwickeln, die der Altersstruktur gerecht werden. Darüber hinaus ergeben sich für Tarifpartner, Unternehmen und jeden Mitarbeiter Handlungserfordernisse, um die Herausforderungen des demografischen Wandels zu bestehen. Dabei muss aber eine Bündelung der Aktivitäten vorgenommen werden, damit Synergien entstehen können und die ganze Region davon profitiert. Die Initiative InnovAging ist daher ein guter Schritt in die richtige Richtung.
Ziele der weiteren Arbeit von InnovAging
Die Projektleitung von InnovAging, Frau Prof. Dr. Gisela C. Fischer und Herr Prof. Dr. Peter von Mitschke-Collande, gaben einen Ausblick zur zukünftigen Arbeit von InnovAging. Langfristig strebt das Projekt eine Verstetigung der „Regionalen Demografie-Offensive“ in Form eines „Kompetenzzentrums Demografie“ an, in dem die wichtigen Akteure kooperieren. Auf dem Weg dahin wird InnovAging in den Jahren 2011 und 2012 folgende Aufgaben durchführen:
Moderation des regionalen Demografie-Dialoges
Vernetzung der Nachfrager und der Anbieter von Demografie-Wissen
Initiierung von Bedarfsanalysen und Forschung zu Demografie-Fragen in der Region Hannover
Etablierung und Weiterentwicklung des Curriculums zum Demografie-Management
Koordination von Beratungs- und Bildungsangebote für KMU
Qualifizierung von Demografie-Experten als Multiplikatoren
Begleitung von Brückenkopf-Projekten zur Infrastrukturentwicklung
Besonders mit den Brückenkopf-Projekten möchte InnovAging die Nachhaltigkeit sicherstellen. Die Projektpartner werden in den kommenden zwei Jahren spezielle Projekte bearbeiten. So wird der VDI Hannover beispielsweise neue Konzepte zur Nachwuchssicherung in Kooperation mit allgemein- und berufsbildenden Schulen entwickeln. Die Fachhochschule Hannover wird sich mit der Verbesserung des Zugangs von KMU-Beschäftigten zum Dualen Studium beschäftigen.
Ausblick zur weiteren Arbeit von InnovAging – Commitments der Projektpartner
Stellvertretend für alle anderen Projektpartner begrüßten Rainer Wahl, Wahl GmbH & Co. KG, Heinz Orlob, IHK Hannover, Prof. Dr. Gabriele Diewald, LUH, und Ulf-Birger Franz, Region Hannover, die Fortführung des Projektes InnovAging.
Herr Rainer Wahl führte aus, dass er als mittelständischer Unternehmer zwar selbst schon Demografie-Management betreibt, aber er bemerkt, dass seine Zulieferer sich noch nicht mit dieser Thematik beschäftigen. Er engagiere sich bei InnovAging daher auch in der Hoffnung, dass dadurch diese Unternehmen und andere Handwerksbetriebe für die Problematik sensibilisiert werden und der Standort Region Hannover zukunftsfähig gemacht wird. KMU haben durch das geplante Regionale Kompetenzzentrum Demografie die Möglichkeit, sich qualifiziert beraten zu lassen.
Herr Heinz Orlob betonte, dass die große Chance der Fortführung darin besteht, dass sich bei InnovAging die wesentlichen Akteure zusammengeschlossen haben, um die demografische Herausforderung in der Region Hannover aktiv zu gestalten. So können z. B. innovative Wege im Bereich des berufsbegleitenden Studiums bzw. der Offenen Hochschule gemeinsam von Hochschulen, Unternehmen und Kammern entwickelt werden. Weitere Potenziale ergeben sich etwa bei der Anerkennung von beruflichen Abschlüssen aus dem Ausland oder der Anrechnung von im Studium erworbenem Wissen auf eine Berufsausbildung.
Frau Prof. Dr. Gabriele Diewald unterstrich, dass die Initiative ein wichtiger Impuls ist, um den demografischen Wandel zu gestalten und die Verbindung von Wissenschaft und mittelständischer Wirtschaft in der Region herzustellen. Dieser Dialog soll in Zukunft weitergeführt werden. Das Thema Demografie ist aufgrund seiner Interdisziplinarität für die beteiligten Hochschulen äußerst spannend und schafft mit dem Fokus auf die Region die Möglichkeit zu empirischen Arbeitsfeldern. Die Hochschulen werden sich weiter an den verschiedenen Formaten des Wissenstransfers – Studium, Weiterbildung, Forschung und Beratung – beteiligen.
Herr Ulf-Birger Franz hob die Konzentration auf den KMU-Sektor als wichtigen Beitrag von InnovAging hervor. Der Wirtschaftsdezernent betonte, dass von den 50.000 KMU in der Region Hannover etwa 40.000 KMU weniger als zehn Beschäftigte haben. Personalentwicklung oder Personalplanung findet in diesen Kleinbetrieben kaum statt. Sie brauchen daher Hilfestellung, um ein betriebliches Demografie-Management zu installieren.
Schlusswort
Frau Prof. Dr. Gisela C. Fischer bedankte sich in ihrem Schlusswort für das Vertrauen der Projektpartner und der KMU-Teilnehmer und betonte, dass auch das Projektteam von InnovAging sich auf die weitere Zusammenarbeit freue.
Im Anschluss an die Veranstaltung nutzten zahlreiche Besucher die Gelegenheit, sich bei einem Imbiss auszutauschen. Sie konnten sich in einer Postersession über das Projekt InnovAging und seine Projektpartner weiter informieren.