Öffentliche Vortragsreihe InnovAging
Vortrag Dirk Roßmann und Prof. Dr. Martina Harms
„Alternde Belegschaften – Herausforderung an Motivation und Führung in Klein- und Mittelunternehmen“
Knapp 230 Menschen nahmen am 9. März 2010 an der öffentlichen Veranstaltung „Alternde Belegschaften – Herausforderung an Motivation und Führung in Klein- und Mittelunternehmen“ im Sprengel Museum teil.
In ihrer Begrüßung machte Frau Prof. Dr. Gisela Fischer, Projektleitung InnovAging, deutlich, dass sich aufgrund der demografischen Entwicklung die Anzahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter bis zum Jahr 2030 um 15 % vermindern werde. Damit verbunden ist eine Fachkräftelücke von mehr als 5,7 Mio. Personen, die künftig nur durch eine Vielfalt von Belegschaftsgruppen im Hinblick auf Alter, Geschlecht und kulturellem Hintergrund ausgeglichen werden kann. Daraus ergeben sich besondere Herausforderungen an die Motivation und Führung in einem Unternehmen, die in der Veranstaltung genauer beleuchtet werden sollen.
Mit einem kulturellen Blitzlicht wurden die Gäste auf das Thema weiter eingestimmt. Drei Schauspieler vom „Transform Unternehmenstheater“ stellten in einer Szene dar, welche Kommunikationsprobleme zwischen einer jungen Führungskraft und einem alt eingesessenen Mitarbeiter entstehen können.
Wie die Drogeriemarktkette Rossmann mit der Herausforderung umgeht, verschaulichte Herr Dirk Roßmann, Geschäftsführer. Obgleich es keine schriftlich fixierte Führungskonzeption gibt, wurde eine grundsätzliche Philosophie deutlich: Je mehr das Unternehmen sich als
Vorbild versteht und etwas für die Mitarbeiter tut, desto mehr tun die Mitarbeiter für das Unternehmen. Bei Rossmann wird das gemeinsame Erleben mit Mitarbeitern daher seit jeher groß geschrieben. Die Kultur im Unternehmen ist geprägt von Wertschätzung und Mitarbeiterorientierung. Die Mitarbeiter werden an wichtigen Entscheidungen beteiligt und erhalten so viele Informationen wie möglich (Rossmann Wiki). Das Selbstverständnis im Umgang wird auch durch die Unterzeichnung der „Charta der Vielfalt“ untermauert: Rossmann verpflichtete sich damit zur Berücksichtigung der verschiedenen Bedürfnisse der Mitarbeiter. Um dies zu erreichen, wurden z. B. seitdem 170 Schulungen mit dem Ziel durchgeführt, dass jeder Mitarbeiter mit dem gleichen Respekt und der gleichen Achtsamkeit begegnet wird.
Frau Prof. Dr. Martina Harms von der Akademie für Mode und Design, staatlich anerkannte private Hochschule in Hamburg, erläuterte, dass Unternehmen zukünftig verstärkt divers rekrutieren müssen.
Bereits heute sind die Belegschaften sehr unterschiedlich geprägt. So lassen sie sich beispielsweise mit Blick auf das Alter in fünf Generationen unterteilen, denen allesamt spezifische Eigenschaften und Werthaltungen zugeordnet werden können (z. B. die Nachkriegsgeneration oder die Generation Golf). Davon können Präferenzen für unterschiedliches Führungsverhalten und Motivationen abgeleitet werden. Allerdings ist eine Führungskraft, die auf jede individuellen Bedürfnisse eingehen möchte, schnell überfordert. Das Wissen um die verschiedenen Gruppierungen innerhalb der Mitarbeiterschaft sollte aber dazu anregen, die eigene Führungsphilosophie zu überdenken, den Umgang mit Vielfalt zu trainieren und diversity-freundliche Rahmenbedingungen zu schaffen. So müssen Führungskräfte bei der Rekrutierung, aber auch bei der Mitarbeiterführung reflektieren, ob sie durch ihr Handeln unbewusst Gruppen diskriminieren. Studien belegen, dass Bewerber mit ausländischen Namen seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen werden als Bewerber mit deutschen Namen und gleicher Qualifikation.
In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde deutlich, dass Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern auch bedeute, die Wahrheit zu sagen. Das gilt z. B. im Blick auf die verlängerte Lebensarbeitszeit. Führungskräfte müssen offen mit den Mitarbeitern über ihre Beschäftigungsfähigkeit reden, sie zu Fortbildungen und einer gesundheitsbewussten Lebensweise motivieren sowie gleitende Übergänge in die Rente schaffen. Hochschulen können hier insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen durch ein breites Angebot an berufsbegleitenden Studien- und Weiterbildungsgängen unterstützen.

Nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung vertieften zahlreiche Gäste beim „Netzwerken mit Imbiss“ den Erfahrungsaustausch.