Wirtschaftsgespräch in Garbsen
Demografischer Wandel als Chance für die Zukunft der Arbeit in Garbsen
In einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Stadt Garbsen hat sich InnovAging an die KMU in Garbsen gewendet, um sie auf die Herausforderungen und Chancen des demografischen Wandels aufmerksam zu machen. An dem Wirtschaftsgespräch am 23. Juni 2011 nahmen rund 50 Personen aus Unternehmen, Politik und Verwaltung teil.

Dieter Lorenz, Prof. Dr. Peter von Mitschke-Collande, Peter Kalkofen
Nach der Begrüßung von Herrn Bürgermeister Alexander Heuer stellte Herr Prof. Dr. Peter von Mitschke-Collande die Bedeutung der demografischen Entwicklung für die Unternehmen in Garbsen heraus. So wird die Zahl der Einwohner in den nächsten Jahren sinken, gleichzeitig wird es immer mehr ältere und immer weniger jüngere Menschen geben. Für Unternehmen ist dies in zweierlei Hinsicht relevant: Es verändern sich die Altersstrukturen sowohl der Kunden, als auch der Mitarbeiter. Welche individuellen Lösungen Unternehmen aus Garbsen bereits gefunden haben, wurde mit zwei Praxisbeispielen beschrieben:
Herr Dieter Lorenz, Geschäftsführender Gesellschafter der Habekost + Fichtner GmbH, berichtete von neuen Kundenkreisen. Das Dienstleistungsunternehmen in den Bereichen Sauberkeit, Sicherheit und Service stellt fest, dass immer mehr private Haushalte Dienstleistungen einkaufen. Älteren Menschen suchen Unterstützung und Hilfen im Haushalt oder im Garten. Dadurch konnten weitere Arbeitsplätze wie z. B. Haushaltshilfen oder Fahr-/Begleitservices geschaffen werden. Habekost + Fitchtner bietet verstärkt Arbeitsplätze für Mitarbeiter über 50 Jahre an, da das Unternehmen deren Kompetenzen erkannt hat. U.a. werden die Problemlösungserfahrungen und Zuverlässigkeit der Altersgruppe hervorgehoben. Darüber hinaus fällt es diesen Mitarbeitern häufig leichter, auch die Wünsche älterer Kunden zu verstehen. Herr Lorenz berichtete, dass sie bei der Suche nach älteren Mitarbeitern vor allem auf die Mund-zu-Mund-Propaganda setzen und gerne – für kurzfristige, bedarfsgerechte Arbeiten – auch Rentner engagieren.
Herr Peter Kalkofen, Geschäftsführer EDEKA Kalkofen der FrischeMarkt in Berenbostel, präsentierte das zweite Praxisbeispiel. Der Lebensmittelmarkt soll für Kunden aller Altersgruppen attraktiv sein. Deshalb wird Wert auf eine ausgewogene Altersstruktur der Mitarbeiter gelegt. Zudem werden im Vergleich zu früher verstärkt Männer eingestellt. Bei der Neueinstellung spielt das Alter keine Rolle. Wichtig, so Herr Kalkofen, sind aber auch eigenen Ausbildungsanstrengung, denn nur so kann langfristig Nachwuchs sichergestellt werden. Alle Altersgruppen nehmen regelmäßig an Fortbildungsveranstaltungen teil. Kundenorientierung hat dabei als Thema absolut Vorrang. Um Veränderungen der Kundenstruktur und -wünsche zu spüren, ist – gerade auch für Führungskräfte – der direkte Kundenkontakt entscheidend. Der EDEKA-Markt bietet beispielsweise einen Bestell- und Lieferservice, spezielle Sortimente für Menschen aus anderen Kulturen, Convenience-Produkte für kleine Haushalte bzw. Berufstätige. Die Gestaltung des Einkaufsmarktes soll zum Kommunizieren und Verweilen einladen. Zum Kundenkontakt gehören darüber hinaus vielfältige Aktivitäten im Bereich des sozialen Engagements wie etwa die Gestaltung eines Hochbeetes in einer KiTa sowie die Kooperation mit Schulen in Fragen der Gesunden Ernährung.
Anschließend wurden die Beispiele und Handlungsmöglichkeiten für Unternehmen lebhaft diskutiert. Die Teilnehmer waren sich einig, dass die Stadt Garbsen solche Veranstaltung als Plattform zur Vernetzung der Unternehmen weiter ausbauen sollte, um damit den Wirtschaftsstandort noch attraktiver zu machen.